Leuchten nach Gewitter ausgefallen: Überspannung erkennen
Drei Lichtmasten dunkel am Morgen nach dem Gewitter, die Sicherungen aber intakt. So erkennen Sie Überspannungsschäden, so tauschen Sie SPD und Treiber, und so regeln Sie Garantie, Versicherung und Vorbeugung.
Das Bild am Morgen danach
Die Meldung kommt meist am Morgen nach dem Gewitter: Ein Teil der Gelände- oder Straßenbeleuchtung brennt nicht mehr. Überspannung hinterlässt eine erkennbare Spur:
- Mehrere Leuchten im selben Stromkreis sind gleichzeitig ausgefallen, oft die Lichtmasten mit dem größten Abstand zum Verteiler.
- Die Sicherung im Mastanschlusskasten ist intakt. Eine Spitze von wenigen Mikrosekunden ist vorbei, bevor eine Schmelzsicherung reagiert.
- Die Leuchte ist dunkel, flackert oder brennt mit halber Leistung.
- Das LED-Modul ist intakt. In der Leuchte sehen Sie einen verfärbten oder gerissenen Varistor oder einen schwarzen Fleck am Treibereingang.
Andere Ursachen sehen anders aus. Ein Kabelbruch legt den ganzen Stromkreis lahm und löst den Leitungsschutzschalter aus. Wasser in einer Leuchte trifft einen Lichtpunkt und löst den FI-Schutzschalter aus. Ein verschlissener Treiber fällt zufällig aus, verteilt über Monate, nicht drei auf einmal in einer Nacht.
So stellen Sie die Diagnose vor Ort
Arbeiten Sie den Stromkreis in dieser Reihenfolge ab:
- Notieren Sie Datum, Uhrzeit und Wetter. Einschläge in der Umgebung lassen sich nachträglich in öffentlichen Blitzregistern nachschlagen.
- Schalten Sie den Stromkreis spannungsfrei und prüfen Sie in jedem Mastanschlusskasten Sicherung und Erdungslitze.
- Messen Sie den Isolationswiderstand des Kabels bei abgeklemmten Leuchten. Messen Sie nie mit 500 V an einem angeschlossenen Treiber oder SPD.
- Prüfen Sie das SPD-Modul. Ist der SPD durchgeschlagen und der Treiber intakt, hat der Schutz funktioniert.
- Messen Sie den Treiber. Netzspannung am Eingang und nichts am Ausgang bedeutet einen defekten Treiber. Ist auch der SPD unbeschädigt, war die Spitze größer als die SPD-Klasse, oder sie kam über PE oder die Steuerleitung herein.
Tragen Sie das Muster in einen Lageplan ein: welche Masten, wie weit vom Verteiler, welche SPD-Klasse. Das zeigt die Schwachstelle.
SPD und Treiber tauschen
Ein SPD ist ein Verschleißteil. Jede abgeleitete Spitze nutzt die Varistoren weiter ab, bis das Modul die Leuchte abschaltet. Tauschen Sie pro Stromkreis, nicht nur an den dunklen Masten: Die SPDs in den noch brennenden Leuchten haben dieselbe Spitze verarbeitet.
Bei den Straßenleuchten von VIA ist der 10-kV-Überspannungsschutz Standard, und bei einem Teil der Ausführungen sitzt der Treiber separat. Sie wechseln dann nur Treiber und SPD-Modul und lassen Gehäuse und LED-Modul auf dem Mast mit Zopfmaß 60 mm. Wählen Sie dieselbe Stromeinstellung und dasselbe Steuerprotokoll, sonst läuft das Beleuchtungsniveau im Stromkreis auseinander.
Ersetzen Sie eine ältere Leuchte ohne SPD oder mit 2 bis 4 kV, setzen Sie die neue 10-kV-Leuchte zuerst auf die äußersten Masten. Warum 10 kV die richtige Klasse für Lichtmasten im offenen Gelände ist, lesen Sie in Überspannungsschutz: warum 10 kV.
Erdung: der Weg der Spitze
Ein SPD leitet Energie ab, und diese muss irgendwohin. Bei einer Leuchte der Schutzklasse I auf einem Stahlmast wie TURRIS führt dieser Weg über den PE-Leiter, die Erdungslitze an der Türöffnung und den Mastanschlusskasten. Ist eine Verbindung lose oder korrodiert, wirkt nur der Schutz zwischen L und N.
Prüfen Sie deshalb nach jeder Störung die Erdungslitze und die PE-Klemme. Die Mastanschlusskästen von NEXUS haben Erdungslitzen und eine oder zwei Sicherungen pro Mast: Die Sicherung schützt vor Kurzschluss, die Erdungslitze macht den SPD komplett. Fallen dieselben Masten bei jedem Gewitter aus, fehlt fast immer die zweite Stufe: ein SPD Typ 2 im Verteiler am Anfang des Stromkreises.
Garantie und Versicherung: wer zahlt
Die Garantie auf Leuchten, bei Lichtplein bis zu 5 Jahre, deckt Material- und Fabrikationsfehler. Schäden durch eine äußere Ursache wie Überspannung sind bei nahezu jedem Hersteller ausgeschlossen, und ein SPD, der seine Arbeit getan hat, ist kein Defekt, sondern ein verschlissenes Verschleißteil.
Für den Eigentümer ist die Versicherung die richtige Anlaufstelle. Viele Gebäude- und Betriebsversicherungen decken Blitzschlag; Schäden durch Induktion, eine Spitze ohne direkten Einschlag, sind oft eine separate Deckung oder ausgeschlossen. Suchen Sie in der Police nach dem Wort Induktion. Der Versicherer verlangt in der Regel Datum und Uhrzeit des Gewitters, eine Liste der ausgefallenen Lichtpunkte mit Fotos, eine Stellungnahme des Installateurs zur Ursache und die Rechnung der Instandsetzung. Bewahren Sie die defekten Teile auf, bis der Schadenfall abgewickelt ist.
Vorbeugung in neuen Anlagen
Vier Maßnahmen verhindern die meisten Schäden:
- 10 kV in jeder Leuchte auf einem Mast, Standard bei VIA. Wählen Sie einen Flutlichtstrahler auf einem Mast, etwa aus FLUX, prüfen Sie die SPD-Klasse in den Spezifikationen. Im Innenbereich unter Dach, etwa bei einem Hallenstrahler von ATRIA, genügt in der Regel eine niedrigere Klasse.
- SPD Typ 2 im Verteiler am Anfang jedes Außenstromkreises, oder Typ 1, wenn das Gebäude eine Blitzschutzanlage hat.
- Ein geschlossener Erdungsweg: PE-Leiter im Kabel, Erdungslitze angeschlossen und die Verbindung bei der Abnahme gemessen.
- Kurze Stromkreise: Je länger das Kabel im offenen Gelände, desto höher die induzierte Spitze.
Halten Sie die SPD-Klasse je Lichtpunkt in der Anlagendokumentation fest und planen Sie nach jedem schweren Gewitter einen Kontrollgang entlang der äußersten Masten. Mit DALI-2- oder D4i-Leuchten aus der Serie VIA sehen Sie in Verbindung mit einem Lichtmanagementsystem sofort, welcher Lichtpunkt ausgefallen ist.
Häufige Fragen
Die Sicherung ist intakt, aber die Leuchte bleibt dunkel. Ist das Überspannung?
Wahrscheinlich, vor allem wenn mehrere Masten im selben Stromkreis nach einem Gewitter gleichzeitig ausgefallen sind. Eine Spitze von Mikrosekunden ist vorbei, bevor die Sicherung reagiert. Prüfen Sie den SPD und messen Sie den Treiber.
Muss ich alle SPDs im Stromkreis tauschen?
Prüfen Sie alle Module. Tauschen Sie auf jeden Fall die SPDs, die abgeschaltet haben, und vorzugsweise auch die in den äußersten Masten: Sie haben dieselbe Spitze verarbeitet.
Fällt ein Gewitterschaden unter die Garantie?
Nein. Die Garantie deckt Material- und Fabrikationsfehler; Überspannung ist eine äußere Ursache. Die Versicherung des Eigentümers ist die richtige Anlaufstelle, prüfen Sie die Police auf Deckung für Induktion.
Kann ich eine bestehende Leuchte ohne SPD nachträglich schützen?
Ja, mit einem separaten SPD-Modul von 10 kV in der Leuchte oder im Mastanschlusskasten, angeschlossen an L, N und, sofern vorhanden, PE. Ist der Treiber bereits beschädigt, ist eine Leuchte mit eingebauten 10 kV meist die günstigere Lösung.
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